Die Bellschen Zahlen als Komplexitätsmaß für autonome Teams

Die Entdeckung und Entwicklung nachhaltig relevanter Produkte ist in einer dynamischen Umwelt ein vertracktes Problem. Agil aufgestellte Organisationen setzen bei der Lösung des Problems auf den Leistungsvorteil von funktionsübergreifend und autonom agierenden Teams. Das ist mit besonderen Herausforderungen verbunden, da solche Teams eine eigene Dynamik besitzen. In diesem Zusammenhang ist die Anzahl der Teammitglieder wichtig, da sie Folgen für die Strukturen und Vorgänge in der Gruppe hat. Je größer ein Team ist, desto mehr Kompetenz kann gebündelt werden. Je kleiner es ist, desto weniger Koordinationskosten fallen an und desto besser gelingt die Kommunikation. Wenn es darum geht, die Größe einer Teameinheit zu bestimmen, werden wir auf Faustformeln wie die sogenannte "Zwei-Pizza-Regel" zurückgeworfen: Ein Team ist dann zu groß, wenn zwei Pizzen nicht ausreichen, um alle satt werden zu lassen. In dem vorliegenden Beitrag formalisieren wir die Komplexität unterschiedlich großer Teams über die Bellschen Zahlen, mit deren Hilfe sich die Anzahl aller möglichen Interaktionssysteme in einem Team berechnen lässt. Mit diesem Ansatz liefern wir ein stichhaltiges Argument für eine Obergrenze von fünf Mitgliedern. Bei einer größeren Anzahl scheint das systemtheoretische Komplexitätsmaß zu explodieren und für das Team entsteht die Gefahr von Cliquenbildung und/oder einem inneren Rückzug einzelner Mitglieder.

Was lernen die Zuhörer*innen in dem Vortrag?

  • Schilderung von Auffassungen zur optimalen Teamgröße, die in der "agilen Szene" kursieren (Scrum Guide, Jeff Sutherland, Jurgen Appelo, Mark Levison)
  • Kurze Einführung in Wissenschaft und Forschung zum Thema Gruppengröße (Sozialpsychologie, Arbeitspsychologie, Soziologie, Systemforschung)
  • Systemtheoretischer Blick auf die Strukturen und Prozesse, die autonom agierende Gruppen auszeichnen (Kurt Lewin, Horst Rittel)
  • Darstellung und Erörterung von drei mathematischen Formeln zur Schätzung der Komplexität von Teamgrößen
Herbert A. Meyer
Herbert A. Meyer

Dr. Herbert A. Meyer ist Partner bei artop - Institut an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Psychologe beschäftigt er sich seit mehr als 20 Jahren in...


Katharina Koal
Katharina Koal

Katharina Koal arbeitet als Software-Entwicklerin seit mehreren Jahren in interdisziplinären Teams und kennt die Auswirkungen wechselnder...

45 Minuten Vortrag

Einsteiger
Zeit

15:55-16:40
05. November


Themengebiet

Agile Führungsmodelle


Raum

tba


ID

Di4.5

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