Agilität – Täglich grüßt das Murmeltier. Ungewollte Nebenfolgen agilen Managements.

Der wahnwitzige Hype um die sogenannte Agilität hat die Unternehmenswelt im Sturm erobert. Manager:innen, die von Macht und Kontrolle besessen sind, haben plötzlich das Schlagwort "Agilität" vor jedes erdenkliche Managementkonzept gestellt. Von agiler Projektentwicklung über agile Prozesssteuerung bis hin zur agilen Organisationsentwicklung - nichts blieb von diesem Trend verschont. Doch was bedeutet Agilität überhaupt? Angeblich soll es die Fähigkeit einer Organisation sein, sich kontinuierlich an ihre komplexe, turbulente und unsichere Umwelt anzupassen. Klingt vernünftig, oder? Wer würde schon dagegen sein, dass sich Unternehmen in einer sich ständig wandelnden "Wettbewerbsumgebung" behaupten können?

Doch lassen wir uns nicht von dieser oberflächlichen Definition täuschen. Der Agilitäts-Hype ist nichts weiter als ein weiteres Beispiel für die immergleiche Masche der Managementmoden. Ein scheinbar vernünftiges Prinzip wird aufgebauscht und zum ultimativen Konzept für die gesamte Organisation erklärt. Die Idee, in Teams auf Vorgesetzte zu verzichten, wurde in der agilen Organisation zur Religion erhoben. Aber lassen wir uns nicht blenden, denn je weiter das Konzept der agilen Organisation in die Breite gezogen wurde, desto unspezifischer wurde es. Statt konkreter Ansätze wurden abstrakte Prinzipien wie Mut, Fokus, Leidenschaft, Respekt und Offenheit gepredigt. Anstelle klarer Handlungsanweisungen wurden wir mit nebulösen Schlagworten wie Pioniergeist, Vertrauen, Selbstverantwortung, Kollaboration und Lernbereitschaft abgespeist.

Und was ist mit den revolutionären Ideen wie der Auflösung von Abteilungen oder der Reduzierung von Hierarchien? Sicherlich gibt es Situationen, in denen solche Maßnahmen sinnvoll sein können. Doch was unter dem Etikett der agilen Organisation verkauft wurde, war nichts Neues. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren wurden ähnliche Prinzipien unter Namen wie synthetische Organisation, organische Form des Unternehmens, temporäres System, Adhocratie oder Flex-Firma propagiert. Die Popularisierung dieser Ideen unter dem Begriff der agilen Organisation war also nur ein weiterer Trick, um alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen.

Hinter dem aufregenden Buzzword verbirgt sich nichts als heiße Luft. Die Manager:innen und Berater:innen, die dieses Konzept verbreiten, wollen nur ihre eigenen Karrieren vorantreiben und den Anschein erwecken, sie seien innovative Vordenker. Doch die Wahrheit ist, dass sie nichts weiter tun, als altbekannte Praktiken zu recyceln und als bahnbrechende Neuheit zu verkaufen.

Seien wir skeptisch, wenn uns das nächste Mal jemand von der agilen Organisation erzählt. Hinter den glänzenden Fassaden verbergen sich oft leere Worthülsen und inhaltslose Phrasen. Mach dich frei von diesem Hype und konzentriere dich auf bewährte Managementpraktiken, die tatsächlich zum Erfolg führen.

Verpasse nicht meinen Vortrag, in dem ich die Mythen und Missverständnisse rund um die agile Organisation entlarve und dir echte Einblicke in effektives Management gebe.

Prof. Stefan Kühl
Prof. Stefan Kühl

Stefan Kühl ist Soziologe, Historiker und Professor für Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld. Er arbeitet als Organisationsberater für die in Quickborn, Versailles und...

60 Minuten Keynote

Zeit

tba
15. November


Raum

Plenum

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